«Geld ist mehr als nur ein Zahlungsmittel. Es verbindet und trennt, wird begehrt und vermisst. Ein universelles Tauschgut, das uns seit Jahrtausenden begleitet. Im Moneyverse wird das Phänomen Geld in einer multimedialen und interaktiven Ausstellung erlebbar.» So wird das neue Angebot mit seinem etwas eigenartigen Namen «Moneyverse» vorgestellt. Der Name ist ein Kofferwort aus «Money» (Geld) und «Universe» (Universum). Welchen Vers soll man sich darauf machen?
Vier Geldwelten
Die Ausstellung bietet laut Medientext Einblicke in eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheit. In vier Geldwelten wird das Phänomen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: historisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und persönlich.
Das sieht dann so aus: «Entdecke, welche Objekte früher als Geld verwendet wurden, erfahre am Utopie-Telefon mehr über mögliche Geldzukünfte und gewinne einzigartige Einblicke in die Arbeit der Nationalbank. Für die Pause zwischendurch gibt’s bei der Jukebox Pink Floyds 'Money' oder Gwen Stefanis 'Rich Girl' zu hören und an der Money-Bar warten Geld-Gespräche mit unseren Hosts auf dich.»
Oder noch detaillierter: «Was haben Nylon-Strümpfe, Kaurischnecken und ein Kerbholz gemeinsam? Welcher Jahrgang des 'Fünflibers' ist besonders speziell? Wie sieht wohl das skurrilste 'Kässeli' aus der Sammlung des Bernischen Historischen Museums aus? Diesen Fragen – und noch viel mehr Wissenswertem – begegnen Besuchende in den Räumen 'Phänomen Geld' und 'Geldatelier'. Im Ausstellungsteil 'Geld und Ich' erzählen Menschen von ihrer ganz persönlichen Beziehung zu Geld und teilen Geschichten über finanzielle Unabhängigkeit, Armut, Glück und Reichtum. An der Money-Bar im Raum 'Geld und Wir' mixen die Hosts (Vermittlungspersonen) alkoholfreie 'Cashless-Coladas' oder 'Cryptopolitans' und laden Besuchende ein, ihre persönlichen Gedanken über Geldthemen zu teilen.
Es lohnt sich zweifellos, diese aufwändig gestaltete Ausstellung zu besuchen. Oder zumindest, sich dazu ein paar Fragen aus christlicher Sicht zu stellen.
Was hat die Bibel eigentlich gegen unser Geld?
Geld wurde schon in alttestamentlichen Zeiten eifrig benutzt, sei es als Silber, das abgewogen wurde, oder als Münzen mit einem definierten Wert. Der Patriarch Abraham galt als reicher Mann. Laut 1. Mose 13 hatte der Nomade grosse Herden mit Schafen und Rindern sowie viel Silber und Gold. Dahinter steckten landwirtschaftlicher Erfolg und (meist) kluge Entscheidungen. Sein Reichtum wird nirgends kritisiert, sondern löst Respekt aus.
Hiob, der Mustergläubige aus dem Alten Testament, besitzt ebenfalls viel, verliert alles und bekommt nach seinem Festhalten an Gott alles und noch mehr zurück.
Reichtum, so haben es die Calvinisten dann theologisch verdichtet, ist ein Zeichen des göttlichen Segens. Diese Haltung war typisch für viele der Gründerväter der heutigen USA. Sie dürfte mitverantwortlich sein für den wirtschaftlichen Aufschwung in den letzten 250 Jahren.
Die problematische Seite des Geldes wird bei den alttestamentlichen Propheten bereits angetönt. Sie kommt dann beim Sohn von Gott pointiert zur Sprache. Jesus selber ist mit wenig materiellem Gepäck unterwegs, hat aber immer genug vom Lebensnotwendigen. Für den Reichtum braucht er das Wort aramäische Wort Mammon und warnt in Matthäus 6,241: «Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.» Aus christlicher Sicht ist es also eindeutig: Wir sollten unser Geld nicht lieben, sondern wenn schon hassen und sollten unser Leben nicht daran hängen.
Dieses Prinzip wird durchbuchstabiert bei der Begegnung von Jesus mit dem reichen Jüngling in Matthäus 19. Der junge Mann ist ethisch korrekt unterwegs und denkt, dass er so das ewige Leben erreichen könne. Jesus aber sieht seinen wunden Punkt und sagt (Vers 21b): «Verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!» Das Problem ist also nicht sein Reichtum, sondern seine Haltung dazu: Sein Herz hängt an seinem Reichtum, es ist sein Schatz.
In meiner Zeit als Gastdozent bei den Young Professionals, den jungen christlichen IVCG-Geschäftsleuten2 konnte und wollte ich beim Thema «Integriertes Christsein» die Geldfrage nicht überspringen. Ich liess die jungen Wirtschaftsleute jeweils analysieren, wohin ihr Geld fliesst. Viele rückten dabei die Abgabe des Zehnten in ein möglichst gutes Licht. 10% des Einkommens in christliche Aktivitäten zu investieren, das ist zweifellos eine gute Sache. Und es ist auch für «gute» Christen keine Selbstverständlichkeit. Mein Fokus bei der Auswertung dieser Analyse war aber ein anderer. Ich fragte diese reichen jungen Menschen: Was macht ihr mit den übrigen 90%? Habt ihr den Einsatz auch dieses Geldes mit eurem Gott abgesprochen? Jesus möchte, dass wir ihm mit 100% unseres Geldes dienen und von daher unsere Geldflüsse überdenken, egal wie gross unser Reichtum ist.
Was Geld so gefährlich macht
Wir sind laut Jesus in der Gefahr, mit unserm Geld nicht Gott zu dienen, sondern das Geld zu unserm Gott zu machen und dem Gott Geld zu dienen.
Geld hat zudem einen abgöttischen Charakter, weil es uns mächtig machen kann. Schauen wir uns doch mal den zur Zeit reichsten Mann unserer Welt an: Elon Musk. Mit seiner Firma Spacex steht er «für fantastische Visionen – oder absurden Spekulationsirrsinn»3. Das viele Geld macht Musk mächtig. Und alle machen mit. Beim kürzlichen Börsengang eines Teils der Spacex-Anteile war die Nachfrage von Profi-Investoren und Kleinanlegern auf der ganzen Welt so gross, «dass die Firma viermal so viele Aktien hätte verkaufen können». Offensichtlich kommt beim Geld neben der Abhängigkeit und dem Machtstreben aber noch ein drittes Teufelchen dazu: die Gier.
Die US-Börsenbetreiberin Nasdaq hat prompt ihre Regeln aufgeweicht, damit die Spacex-Aktien schneller in den Börsenindex aufgenommen werden können. Andere Indexfirmen werden folgen. Was technisch klingt, bedeutet im Klartext: Pensionskassen werden über kurz oder lang in Spacex-Aktien investieren. Wahrscheinlich auch unsere Pensionskasse. Somit wird auch unser Geld früher oder später für Elon Musk und seine Ideen «arbeiten».
Damit komme ich noch zu einem vierten Standbein unseres Geld-Spieltisches: Es ist der Versuch und die Versuchung, Geld für uns arbeiten zu lassen.
Elon Musk wettet mit seinem Börsengang auf «die industrielle Revolution im Weltraum und auf eine glorreiche Zukunft der künstlichen Intelligenz»4. – «Der weitere Ausbau der Starlink-Satellitenschwärme für die Kommunikation soll einen Markt von rund 1600 Milliarden Dollar erschliessen. Ein Marktpotenzial von 2400 Milliarden erwartet Spacex im Bereich der KI-Infrastruktur, insbesondere mit Rechenzentren im Weltall. Daran anknüpfende Anwendungen für Konsumenten, Unternehmen und Werbung sollen ein Marktpotenzial von rund 24'000 Milliarden besitzen.»
Wollen wir unser Geld wirklich für dieses Casino-Projekt arbeiten lassen? Das Ganze ist hoch spekulativ. Spacex schrieb 2025 «einen Verlust von knapp 5 Milliarden Dollar». Unter den so genannten «anknüpfenden Anwendungen» befinden sich durchaus sinnvolle Ideen. Laut Thomas Zurbuchen, Professor und Leiter von ETH Space, hängt der Erfolg dieser neuen Weltraumökonomie von drei Dingen ab: «Erstens vom finanziellen Rahmen dieses Wirtschaftsraumes, also ob zum Beispiel Regierungen sich entschliessen, in diese Technologien zu investieren oder nicht. ... Bei staatlichen Investitionen im Weltraum geht es zum Beispiel um die nationale Sicherheit, um Überwachung und Erdbeobachtung. ... Zweitens hängt der Erfolg davon ab, dass sich die Technologie im Weltraum entwickeln kann, ohne in Kriege oder Konfrontationen verwickelt zu werden. ... Und drittens müssen wir sicherstellen, dass der Weltraum auch in Zukunft brauchbar ist und nicht wegen unserer eigenen Entwicklung weniger gut zu nutzen sein wird, zum Beispiel durch Weltraumschrott.»
Der ehemalige Wissenschaftsdirektor der NASA weiss, wovon er spricht. Als Sohn eines Predigers kennt er auch die apokalyptischen Vorstellungen der Bibel, vermutlich ohne selber daran zu glauben. Aber er weist mit seinen drei Punkten klug auf die Chancen und Risiken der Idee hin, Geld in der Weltraumökonomie für uns «arbeiten» zu lassen.
Wie wir mit Geld sinnvoll umgehen können
Die Versuchungen des Geldes liegen also darin, dass es uns abhängig machen kann, Machtansprüche weckt, die Gier fördert und uns daran glauben lässt, dass Geld für uns arbeiten kann. Als Christen sollten wir diesen Versuchungen widerstehen. Wie könnte das aussehen?
Wenn wir Geld verdienen, darf es uns auch dienen. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange es um die Grundbedürfnisse des Alltags geht: um Essen, Wohnen, Gesundheit, Sicherheit und eine angemessene Vorsorge – für uns und unsere Familie. Politisch sollten wir mithelfen, dass alle Menschen in diesem Land diese Grundbedürfnisse decken können – und sonst über unsere Steuern und private Unterstützung mithelfen, dass dies geschehen kann.
Macht kommt von Machen – und das ist ja nichts Schlechtes. Ich verfüge über so wenig Geld, dass die Versuchung zur Macht über diese Schiene nicht wirklich gegeben ist. Mit Geld wird aber oft politische Macht erkauft. Das lässt sich in den USA ablesen, wird aber auch in der Schweiz zunehmend zum Thema. Zumindest bei uns vor Ort war dies in meiner Zeit als Gemeinderat (Exekutive) noch kein Thema. Der Stimmbürger hat mir damals politische Macht und Steuergeld anvertraut. Ich habe versucht, dieses Geld in meinem Ressort – dem sozialen Bereich – und beim Mitreden im Gemeinderat möglichst an christlichen Werten orientiert einzusetzen5.
Wenn sich Geld mit einem angemessenen Zins oder einer Dividende vermehrt, kann dies eine sinnvolle Investition in die Zukunft sein. Geldanlagen und Systemen, die meine Gier wecken, gehe ich aber bewusst aus dem Weg.
Bleibt die Idee, Geld für mich arbeiten zu lassen. Grundsätzlich gilt: Geld kann nicht arbeiten. Auch für Zinsen, Dividenden und Aktiengewinne arbeiten früher oder später andere, in die mein Geld investiert worden ist. Die Frage heisst deshalb: Wofür soll mein Geld «arbeiten»? Und da gibt es weltweit jede Menge sinnvolle Arbeiten, die mein Geld gerne fördern kann. Sei es durch direkte Unterstützung oder via Geld-Anlagen. Eine christliche Pensionskasse wie Prosperita6 überlegt sich genau, wie sie mein Geld anlegt. Bei Raiffeisen, einer ursprünglich christlichen Bank, habe ich auf scheinbar grüne Anlagen verzichtet, weil sie zwar viel Geld versprachen, für mich aber schlecht kontrollierbar waren. Da investiere ich lieber gleich in überblickbare Genossenschaften. Hier gehöre ich persönlich dazu, unterstütze mit meinem Geld und weiss, was damit geschieht.
Und schliesslich bleiben die vielen Organisationen und Initiativen, die unter christlichem Label arbeiten und sich überprüfen lassen. Oft habe ich einen direkten persönlichen Bezug zu den Leuten an der Front – von Arbeitsgemeinschaften der Evangelischen Allianz (SEA)7 bis zu politischen Akteuren wie der Evangelischen Volkspartei (EVP) oder dem linksevangelikalen Netzwerk «Christnet»8. Hier lasse ich mein Geld gerne «arbeiten».
Und wie ist es nun mit dem sogenannten Zehnten? Da ich 100% meines Geldes Gott unterordnen möchte, ist er nur ein kleiner Teil des ganzen Volumens. Freikirchen müssen davon leben, Landeskirchen holen sich das nötige Geld zumindest teilweise über meine Kirchensteuern.
Kurz und gut: Geld ist eine Gabe Gottes. Ich liebe es nicht wirklich, aber ich liebe es, Geld in seinem Sinne einzusetzen.
1 Übersetzung: Luther 1984
2 Die Bewegung heisst heute etwas verwirrend «Gounity».
3 Jorgos Brouzos in «Der Bund» vom 13.6.26
4 Joachim Laukenmann in «Der Bund» vom 12.6.26
5 siehe dazu mein Buch «Wenn die Bevölkerung das Dorf entdeckt», unsere WDRS-Kolumnen im Forum und die Website www.dorfentwicklung.ch
6 https://www.prosperita.ch/de
7 https://each.ch/unsere-mitglieder/arbeitsgemeinschaften/
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