Mann/Frau/Familie: «Mama Solo» als neues Trendmodell?

Wer sich politisch engagiert, muss mit Rückschlägen umgehen können. Besonders schwer fällt mir dies, wenn es um Geschäfte geht, die Kinder und ihr Wohlergehen betreffen. In diesem Beitrag führe ich unter anderem die Argumente aus, mit Hilfe derer ich die Vertreter der «Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur» (WBK) des Nationalrats bat, die Forderung nach Samenspende für Singlefrauen abzulehnen. 

(Lesezeit: 7 Minuten)

Am 26. März 2026 wurde in der WBK-N die im Nationalrat im März 2025 eingereichte parlamentarische Initiative mit dem Titel «Medizinisch unterstützte Fortpflanzung für alleinstehende Frauen» angenommen. Der Initiativtext lautet folgendermassen: «Das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) wird dahingehend geändert, dass alleinstehende Frauen Zugang zu Verfahren der medizinisch unterstützten Fortpflanzung (MUF) erhalten. Wenn nötig, wird Artikel 119 der Bundesverfassung entsprechend geändert. Die Leihmutterschaft ist weiterhin unzulässig.»

Begründet wird diese Forderung damit, dass die Schweiz neben Italien eines der einzigen europäischen Länder ist, welches die MUF für Singlefrauen verbietet.

Beklagt wird, dass alleinstehende Frauen sich deshalb ihren Kinderwunsch im Ausland erfüllen oder auf informelle Lösungen zurückgreifen müssten. Was laut den Initianten gesundheitliche und psychische Risiken (online gekauftes Sperma, nicht anerkannte Samenspender) mit sich bringt. In dieser «misslichen» Situation befänden sich zahlreiche Schweizerinnen. Der Westschweizer Verein «Maman Solo» zähle fast 2000 Mitglieder, die bereits Verfahren im Ausland in Anspruch genommen haben oder dies noch vorhätten.

(Bild: s05prodpresidente auf Pixabay)

Wer muss hier «müssen»?

Der Initiativtext zeigt exemplarisch auf, wie in unserem Land gerade bei Kinderwunschthemen Stimmung, bzw. Politik gemacht wird. Man nehme: Eine Gruppe vermeintlicher Opfer – tendenziell sind dies Erwachsene, die ihre Bedürfnisse stillen wollen – deren Freiheit man zum Menschenrecht hochstilisiert, während Kinder den Preis für diese Freiheit bezahlen, Kinder, die sich nicht dagegen wehren können, als «Recht» deklariert oder zum Konsumgut erklärt zu werden.

Fakt ist jedoch: Müssen tut bei dieser Thematik niemand. Jedenfalls kein Erwachsener. Niemand muss den eigenen Kinderwunsch um jeden Preis erfüllen können. Ein unerfüllter Kinderwunsch berechtigt nicht dazu, das Schweizer Gesetz zu brechen. Regelmässig findet bei solchen Debatten auch eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Dies häufig sogar mit Unterstützung der Schweizerischen Ethikkommission NEK, die doch eigentlich einen im prophetischen Sinn gesellschaftskritischen Auftrag hätte. Bereits im Rahmen der Debatten um die «Ehe für alle» 2019 empfahl die NEK, auch unverheirateten und gleichgeschlechtlichen Paaren sowie alleinstehenden Frauen Zugang zur Samenspende zu gewähren. Vergessen scheint die jahrzehntelange Erfahrung mit Verding-, Adoptiv- und Pflegekindern, die sich verzweifelt nach Kontakt mit ihren leiblichen Eltern sehnen, und wissenschaftliche Erkenntnisse interessieren nur noch, wenn sie die persönliche Freiheit nicht zu stark eingrenzen. Wir handeln längst nicht mehr aus Unwissenheit. Sondern gegen Vernunft und besseres Wissen.

Mit Absicht vaterlos?

Auch das nächste Argument für die MUF kenne ich längst auswendig: «Alleinerziehende hat es schon immer gegeben», erklärt das Komitee. Gemäss dem Bundesamt für Statistik machen Eineltern-Haushalte gegenwärtig 16,6 Prozent der Haushalte mit Kindern aus. Und es gebe schon heute unabhängige Frauen, welche ein Kind, aber keinen Mann wollten. Im Folgenden wird dann der Anschein erweckt, man tue Kindern etwas Gutes, wenn man dem Vorstoss zustimmt. Die Gesetzgebung solle der zunehmenden gesellschaftlichen Realität Rechnung tragen, weil Kinder, die heimlich gezeugt werden, nicht die gleichen Rechte hätten wie Kinder, die in der Schweiz durch Samenspende gezeugt würden. Zudem würde bei Annahme der Initiative sichergestellt, dass die Zeugung unter würdigen Bedingungen geschehe.

Kindern mit Absicht eine der tiefstmöglichen Verletzungen, nämlich eine «Vaterwunde» zuzufügen, wird also zum «Dienst am Kind» hochstilisiert. «Besser im Inland als im Ausland», heisst die Argumentation. Obwohl es richtigerweise heissen müsste: «Besser gar nicht!» Fakt ist, dass keine alleinerziehende Frau aus meinem Freundeskreis diese Situation als ideal bezeichnet. Jede von ihnen ist sich bewusst, dass die Abwesenheit des Vaters für ihre Kinder kein Segen, sondern eine Not und je nachdem auch ein Handicap ist. Präsente Väter sind kein «Nice to have», Väter sind einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um die gesunde, kindliche Entwicklung geht. Das Ideal ist – auch laut UN-Kinderrechtskonvention – nicht die Samenspende im Inland, sondern das Aufwachsen mit der leiblichen Mutter und dem leiblichen Vater!

 

Wortschöpfung «Soziale Unfruchtbarkeit»

Neben der Missachtung grundsätzlicher kindlicher Bedürfnisse und Rechte enthält das MUF-Argumentarium1 auch eine neue Begriffs-Schöpfung. Single-Frauen werden mit der Diagnose «Soziale Unfruchtbarkeit» quasi in den Krankenstand erhoben. Fakt ist jedoch, dass die Mehrheit dieser Frauen zusammen mit einem Mann auf komplett natürliche Weise schwanger werden könnten. Weiter wird einmal mehr beschworen, das Kindeswohl hänge nicht vom familiären Status der Eltern ab, sondern von der Zuneigung, der Aufmerksamkeit und der Stabilität, die dem Kind gegeben werden. Im Klartext: Besser eine liebevolle Singlemutter als schlechte Mutter-Vater-Eltern. Was für eine verdrehte Argumentationslinie. Tatsächlich ist zu sagen: Besser eine liebevolle Mutter und ein liebevoller Vater statt eine liebevolle Mutter und ein Samenspender, der für das Kind nur in einem Register existiert. Und der, wie Betroffene im Buch «Spenderkinder»2 berichten, mit hoher Wahrscheinlichkeit jeden Kontakt mit seinem Nachwuchs verweigern wird.

Zu hoffen ist, dass unser Parlament irgendwann wieder den Mut fasst, die grundlegenden Rechte von Kindern konsequent gegen Erwachsenenbegehrlichkeiten zu schützen und damit einen Beitrag zu einer gesunden Jugend mit stabiler Identität zu legen.

 

1 https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250415

2 https://www.amazon.de/Spenderkinder-Künstliche-Befruchtung-Samenspende-Leihmutterschaft/dp/3903072168

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