Mobilität: Lasst euch bewegen

Vom christlichen Glauben bewegte Menschen werden von ihrem Meister aufgefordert, sich von ihm bewegen zu lassen – hinaus in die Welt. Das zeigt sich nicht nur in ihrem Sinn fürs Missionieren, es sollte sich auch auf die alltägliche Mobilität auswirken. Ein Beitrag über den Tesla-Effekt und das Velofahren.

(Lesezeit: 4 Minuten)

Heinz hat sich einen Tesla gekauft. Genauer gesagt: Er hat ihn gegen seinen Toyota Prius eingetauscht. Heinz ist begeistert vom Fahr-Feeling. Er geniesst es, leise durch die Quartiere zu surren und freut sich, dass er die Umwelt weniger belastet. Als engagierter EVP-ler sieht er in seinem Umstieg in die Elektromobilität einen grossen Beitrag zum Erhalt der Schöpfung. Deshalb will er den «Teslaeffekt» bekannt machen. Es geht aber noch effizienter.

 

Energieverbrauch ohne Fortschritt

Vorerst aber widmen wir uns den Fitness-Studios. Sie haben geboomt vor Corona. Und sie werden es wieder tun, wenn sie nach der Pandemie unbeschränkt offen sein dürfen.

Warum eigentlich? Nun, der dort mögliche Kraft- und Konditionsaufbau gibt uns ein gutes Gefühl. Wir fühlen uns wohler, wenn wir uns bewegen können. Das Paradoxe daran ist aber, dass wir uns in besagten Studios zwar bewegen, aber nicht fortbewegen. Wir verbrauchen also viel Energie, bleiben aber immer vor Ort und sind deshalb immobil. 

 

Menschen können energieeffizient sein

Haben Sie es gewusst? Eine Stunde bei mittlerer Anstrengung Velo fahren, also mit ca. 20 km/h, entspricht einem Energieverbrauch von 600 Kilokalorien, das sind umgerechnet 0,7 kWh. Zum Vergleich: Wenn ich mit dem Auto bei einem Verbrauch von 6 Litern Benzin pro 100 km 20 km weit fahre, so entspricht dies einem Energieaufwand von 12 kWh. Mit dem Elektroauto ist es etwa ein Drittel davon, also 4 kWh. Das ist aber immer noch rund 6 mal mehr als das Überbrücken dieser Distanz auf dem Velo.

Unterwegs zu neuen Ufern: Werner und Cornelia Hässig (Bild: zvg)

Wie sollen Christen mobil sein?

Unauslöschlich hören wir den Missionsbefehl seit den Sonntagsschulstunden: «Geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen dazu auf, Jünger Jesu zu werden1.» Habe ich richtig gelesen: Geht hinaus? – Warum wird dieses «Geht hinaus» heute eigentlich immer als «Fliegt hinaus» verstanden? Zumal wir heute wissen, dass es in allen Erdteilen Christen und Kirchen gibt. 

Ich plädiere für ein Zusammenführen unserer so überlebenswichtigen Bewegungsnotwendigkeit mit dem Wunsch, von A nach B zu gelangen! Das heisst zum Beispiel: Mit dem Velo zur Kirche fahren. Joggend zum Kraft-Studio. Immer die Treppe statt den Lift benützen. Speziell dann, wenn wir eine schwere Tasche schleppen müssen: in diesem Fall ist der Trainingseffekt des Treppensteigens noch grösser. Weiter: Mit dem Velo-Anhänger zum Grosseinkauf. Mit dem e-Bike zur Ferienwohnung oder ans Meer. Und: Die Tante zu Fuss besuchen. Das – und noch viel mehr – ist christliche Mobilität.

 

1  Matthäus 28,19a (Hoffnung für alle)

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